Der Pfarrgarten in Starkow

Der Gartenbaulehrer und Königlich-Preußische Hofgartendirektor Ferdinand Jühlke (1815-1893) beschreibt in seinem 1858 erschienenen Buch „Die Zustände des Gartenbaues vor 100 Jahren in Neuvorpommern und Rügen“ sehr anschaulich die Gestaltung von Pastoratsgärten im 18. Jahrhundert:

„Diese gliederten sich in der Regel in Krautgarten, Baumgarten und Kohlgarten, wobei der Kohlgarten oftmals mit Obstbäumen bepflanzt war: „Die regelmäßige, symmetrische Einteilung der Gärten hatte überall Aufnahme gefunden. Die Hecken der damaligen Zeit wurden häufig mit den Kronen schattiger Linden überwölbt. Die schönen Taxusbäume bildeten eine vortreffliche Zierde der Gärten… Indessen scheint weniger das Bedürfnis, sich von den Culturarbeiten zu erholen, als vielmehr das Streben, im Garten eine Erweiterung der Räume des Hauses um sich zu haben, bestimmend auf die Herstellung derartiger französischer Gärten gewirkt zu haben…“


In der Nähe der Häuser dürfen wir uns regelmäßig angelegte, durch Buchsbaumhecken gefasste Zierpflanzungen vorstellen.
Verbreitet waren auch axial auf das Gebäude ausgerichtete Laubengänge - oftmals mit Hainbuchen gestaltet- und als Formgehölze symmetrisch gesetzte Eiben, beides Elemente, die wir auch in Starkow finden.

Die Pfarrgärten befanden sich an zentraler Stelle im Ort und waren von daher im Blickpunkt des öffentlichen Interesses.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Besoldung der Pfarrer von der Naturalleistung in ein geregeltes Gehalt umgewandelt, infolgedessen die wirtschaftliche Bedeutung des Pfarrgartens als einer wesentlichen Stütze für die Unterhaltung der Pfarrfamilie für immer verloren ging. Ihrer ursprünglichen Funktion weitgehend beraubt, waren die verhältnismäßig  großen Pfarrgärten fortan von der Zerstörung bedroht.
Ungeachtet ihres bedeutenden gartenhistorischen und heimatkundlichen Wertes fristen die meisten Pfarrgärten heute, sowohl von der Öffentlichkeit als auch der Gartenbauliteratur unbeachtet, ein unverdientes Schattendasein.